Unter diese Überschrift stellt der IHK-Präsident F. Herdan sein Editorial in „Unsere Wirtschaft“, Ausgabe 1-2/2016, das sich mit der Ausgabenfreudigkeit der Stadt Coburg befasst. Er führt weiter aus „wichtig ist … im Kosten-Nutzen-Verhältnis bürgernah zu optimieren“, und das „… alles unter strengem Kosten-/Nutzenabgleich“. Soweit so gut, dem stimmen wir voll und ganz zu. Wie passt dazu das Thema neuer Verkehrslandeplatz (VLP) in Meeder.

Zuerst die Frage nach dem Nutzen. Über 2,5% der Zeit ist der Platz auch im Instrumentenflugbetrieb Nebel-bedingt nicht nutzbar wegen Unterschreitung der Mindestsichtweiten, siehe Planfeststellungsunterlagen Seite 2066, Instrumentenflugausstattung CAT I als aussagenfähiger  Richtwert. Interessant ist der Hinweis in dem Gutachten auf Seite 2040: „Weniger Nebel ist … auf den Kuppenlagen zu beobachten..“, das dürfte auch für die Brandensteinsebene gelten.

Den Unterlagen der Projektgesellschaft entnehmen wir weiterhin, dass es im Jahr 2011 beim Werksverkehr 1800 Bewegungen gab, d.h. Starts plus Landungen. Das entspricht 900 Flügen, überwiegend durchgeführt von den Firmen Brose, Schuhmacher und Kapp. Wenn man das umrechnet, dann fallen 2,5% von 900 Flügen aus, da das Wetter auch im Instrumentenflug nicht fliegbar ist, das sind ca. 25 Flüge im Jahr.

Die Planfeststellungsunterlagen erlauben die grobe Abschätzung, dass im Werksverkehr ohne Instrumentenflug-Genehmigung ca. 50 weitere Flüge ausfallen würden, wegen eingeschränkter Sicht.

Nun behaupten die Stadt Coburg und die Projektgesellschaft, dass die Instrumentenflug-Ertüchtigung für die Brandensteinsebene nach 2019 nicht möglich sei und dass das ein wesentliches Argument für den VLP Meeder ist. (Wir sehen das anders, aber das ist hier nicht das Thema.)

Zusammengefasst: auch beim geplanten VLP Meeder werden zukünftig 25 Flüge/Jahr entfallen wegen sehr schlechter Sichtbedingungen, aber 50 zusätzliche Werksflüge im Instrumentenflug wären möglich bei eingeschränkter Sicht.

Und nun zu den Kosten für den VLP Meeder, zuerst zu den Investitionskosten. Die Projektgesellschaft geht davon aus, dass sie mit 30 Mio. €  den Neubau errichten kann. In der Auflistung fehlen Hochbauten und die Tankstelle. Das Luftamt Nordbayern bemängelt in seiner Notiz vom 30.06.2015 u.a. dass die Aufwendungen für den Flächen-Kauf zu niedrig angesetzt sind. Herr Faulenbach da Costa schätzt die Gesamtkosten bei aktuellen Preisen auf 72 Mio. €. Als vorsichtige Zeitgenossen nehmen wir den Mittelwert, das wären 50 Mio. € Investitionen.

Das heißt  50 Mio. € Investition für 50 zusätzliche Flüge im Jahr

Und die Stadt Coburg, die bereits 1,448 Mio. € für Planungskosten bezahlt hat, wird wegen absehbarer Kostensteigerungen deutlich mehr als die derzeit eingestellten 5,8 Mio. € investieren müssen.

Nun zu den laufenden Kosten der Stadt Coburg. Es fließen derzeit zwischen 100.000 und 120.000 € pro Jahr in den VLP auf der Brandensteinsebene. Es ist unglaubwürdig, dass der deutlich größere Platz in Meeder mit dem gleichen Personalbestand betrieben werden kann, zumal die ehrenamtliche Unterstützung seitens der Aeroclub-Piloten sicher nicht zunehmen wird. Der Vergleich mit anderen Plätzen legt mindestens eine Verdoppelung der Kosten nahe.

Wir stimmen mit Herr Herdan überein: es besteht der „Zwang zu mehr Wirtschaftlichkeit in kommunalen Haushalten“, nur wir ziehen eine andere Schlussfolgerung daraus. Mit der Beibehaltung der Brandensteinsebene können wir sehr viel Geld einsparen, zum Vorteil der Coburger Bürger.

 

Dr. Bernhard Freudenberg und Hubertus Steinerstauch, Coburg, den 06.03.2016